Achtung: Die Internetpräsenz des Nachfolgeprojekts "Zeitzeugen der Zukunft" befindet sich noch im Aufbau!

 



Neue Klimapolitik und Prämienwelt 


So hat sich die deutsche Gesellschaft bis zum Jahr 2038 entwickelt...

Aufgrund der massiven Umweltverschmutzung und der Erderwärmung musste Europa schwer unter den Folgen des Klimawandels leiden. In den 20er Jahren des 21. Jahrhunderts erschütterten Naturkatastrophen die Bevölkerung, viele Menschen starben oder wurden zu Klimaflüchtlingen. Diese Erfahrungen führten zu einer Kehrtwende in der europäischen und deutschen Politik. Der Klimaschutz rückte in den Mittelpunkt. Um die Umwelt nicht weiter zu zerstören, sorgen neue Gesetze für hohe Strafen für Umweltverschmutzung. Eine Klimasteuer wurde ebenfalls eingeführt. Um die Menschen für sich und die neue Klimapolitik zu gewinnen, sichert eine allgemeine Grundsicherung jedem Bürger u.a. auch eine Basic-Wohnung zu, die über einen mittleren Standard verfügt. 

Für diejenigen, die es sich leisten können, gibt es Upgrades, um den eigenen Lebensstandard zu steigern. Die Gesellschaft wird durch ein Prämiensystem getragen, in dem freiwillige Dienste bzw. Leistungen für die Allgemeinheit durch Belohnungen vergütet werden. Wer z.B. anderen uneigennützig hilft oder für die eigene Gesundheit aktiv sorgt, erhält eine bestimmte Anzahl von Credit Points, die wiederum in bestimmte Privilegien oder Waren und Leistungen eingetauscht werden können. Besonders viele Credit Points erhält derjenige, der sich für den Klimaschutz einsetzt bzw. umweltfreundlich lebt. Die Mehrheit der Bürger strebt danach, den ‚ökologischen Fußabdruck‘ auf ein Minimum zu reduzieren. Das gesellschaftliche Klima ist ausgesprochen gut, trotz der zu Teilen gravierenden Vermögensunterschiede. Dies liegt nicht zuletzt auch daran, dass die Gesellschaft im Jahre 2038 keine Existenzängste materieller Art mehr kennt.

 


Eine Szene, die sich im Jahr 2038 zugetragen hat...

Szene 1: auf dem Hyperloop-Bahnhof

H: Das dauert wieder ewig. Immer kommt dieser Zug zu spät. Schon 10 Sekunden hat dieses Teil Verspätung.

R: Jetzt sei doch nicht so negativ. Immerhin ist der Hyperloop kostenlos für alle. Erinnerst Du Dich noch? Vor zwanzig Jahren hatte der Zug im Schnitt mindestens 10 Minuten Verspätung. Sieh mal, da kommt doch einer!

H: In den können wir doch nicht einsteigen. Der ist nur für welche, die sich das Upgrade leisten können.

 

Szene 2: im Zug

Leute steigen aus dem Zug, darunter W und A, die sich auf die Bank zu H und R setzen und dort ihr Gespräch fortführen.

W: Ich dachte, wenn ich die nächste Gehaltserhöhung bekomme, könnte ich mir vielleicht endlich das Upgrade für meinen Pool leisten.

A: Du musst ja verdammt viel bekommen, wenn Du Dir das leisten kannst. Investier doch lieber in eine meiner Mini-Etagen-Plantagen, die Du Dir einfach auf den Balkon stellen kannst. So bekommst Du Prämien und kannst Dein eigenes frisches Gemüse züchten.

W: Nee, lass mal. Ich brauche keine Prämien. Ich hab genug von allem.

Gegenüber den beiden sitzen H und R, die das Gespräch mitgehört haben.

H: Hast Du das gehört?! Die Reichen können es einfach nicht lassen mit ihrem Reichtum zu prahlen. Obwohl das System doch dafür sorgt, dass wir alle genug zum Leben haben.

R: Hey, komm mal runter. Der Zug ist sicher bald da. Außerdem ist es ja nicht so, als ob wir es besonders eilig hätten. Du könntest ja auch mal mit dem Fahrrad fahren, um eine Prämie zu bekommen.

H: Ich bin doch nicht lebensmüde!

Jetzt mischt sich wiederum A ein, der den Wortwechsel zwischen H und R gehört hat.

A: Na wenn das alle so sehen, dann werden wir auch die nächste Klimakatastrophe nicht verhindern können!

H: Was habe ich denn damit zu tun. Lassen Sie mich gefälligst in Ruhe.

R: Jetzt sei doch nicht so unhöflich! Du könntest Dir ja schließlich Prämien durch soziales Engagement verdienen. So wie ich, durch meine Arbeit im Altenheim.

A: Warten Sie nur ab. Bald werden die Mini-Etagen-Plantagen auch in der Basic-Ausstattung vorhanden sein. Schließlich wollen wir Gerechtigkeit und Umweltschutz.

H: Das kann noch ewig dauern.

W: Wenn Sie so ein schlechtes Bild von uns haben, dann werde ich Ihnen selbstverständlich zwei dieser Mini-Etagen-Plantagen schenken, damit Sie sich auch für den Umweltschutz einsetzen können.

W tippt auf seiner Smartwatch etwas ein.

W: (zu H und R) Das wäre erledigt. Oh, ich habe eine Prämie für soziales Engagement bekommen. Schönen Tag Ihnen noch!

H: (zu W) Wow! Danke für die Plantagen! Das nenn‘ ich mal eine Geste, die hätt‘ ich mir sonst nie leisten können.

A: (zu H und R) Sehen Sie! Das System sorgt dafür, dass es uns allen gut geht.

R: (zu H) Recht haben die beiden!

H: Ok, ist ja gut, ich hab‘ heut einfach nur einen schlechten Tag gehabt – bis jetzt. Man wird ja wohl noch meckern dürfen!