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Wohlstandsdeutschland - wo "Arme" nicht arm sind 

Von Samy, Georg, Ruby


So hat sich die deutsche Gesellschaft bis zum Jahr 2039 entwickelt...

Auffällig im Alltag ist vor allem erst einmal, dass der öffentliche Nahverkehr wie Bus und Bahn vollkommen automatisch fahrerlos fahren und für alle Bürger kostenlos genutzt werden kann. Fliegende Autos, Roboter und erneuerbare Energiequellen prägen das Stadtbild. Die Schulen sind bestens ausgerüstet, es wird viel in Bildung investiert, große Erfolge in der Medizinforschung haben zum Beispiel zur Ausrottung der meisten Krebsarten geführt. Obwohl der Kontrast von Arm und Reich sehr stark ist, stört dies niemanden wirklich. Obdachlose sind nahezu komplett verschwunden. Die Menschen sind sehr zufrieden mit der politischen Situation, da ein bedingungsloses Grundeinkommen auf hohem Niveau eingeführt wurde. 

Arm zu sein im Jahr 2039, bedeutet besser zu leben wie die Mittelschicht im Jahr 2019. Das heißt, wer im Jahr 2039 als arm gilt, dem geht es relativ gesehen besser als dem Durchschnittsbürger von 2019. Obwohl die neue Armenschicht kaum Aufstiegschancen hat, findet sie sich mit der Situation ab. Die Gesellschaft wird nicht als ungerecht empfunden, weil die Vielverdiener hohe Steuern zahlen, um das Grundeinkommen zu finanzieren. Trotz einer Ghettoisierung der Städte, in denen es geschlossene Luxus- und „Armen“-Viertel gibt, ist kaum Sozialneid innerhalb der Gesellschaft zu beobachten, weil alle Teile der Bevölkerung vom technischen Fortschritt und den gesellschaftlichen Errungenschaften profitieren.

 

Eine Szene, die sich im Jahr 2039 zugetragen hat...

Szene 1: Zwei „arme“ Frauen fahren in einem selbstfahrenden Zug zur Arbeit (Kita) und unterhalten sich.

Rose: Hey Ruby!

Ruby: Hey Rose!

Rose: Na, alles gut bei Dir?

Ruby: Ja, und bei Dir?

Rose: Ach, ich muss mich auch noch dran gewöhnen, dass die Bahnen ohne Fahrer fahren.

Ruby: Ja stimmt… weißt Du noch, als man jedes Mal ein Ticket kaufen musste?

Rose: Das waren noch Zeiten damals. Da gab es noch so etwas wie „Schwarzfahren“. Erinnerst Du Dich?

Ruby: Warte mal, stimmt. Was war das nochmal?

Rose: Naja, wenn Du ohne Ticket gefahren bist, musstest Du eine richtig hohe Strafe zahlen.

Ruby: Wie krass.

 

Szene 2: Professor Dr. Dr. Troeger liest in einer Zeitung über seinen Erfolg in der Medizin: Er hat für seinen Sohn ein Heilmittel gegen Krebs entwickelt.

Georg: Schau mal, Sohn, was hier in der Zeitung steht!

Sohn: Bist Du das etwa? Wow!

Georg: Ja, ich habe einen doppelten Nobelpreis gewonnen und richtig viel Geld. Alexa, hol mir den Lambo!

Wenige Sekunden später fährt ein schnittiger Lamborghini vor die Tür, die Türen öffnen sich und eine warme Frauen-Computerstimme bittet hinein. Georg erzählt seinem Sohn von den teuren Aktivitäten, die die beiden noch machen wollen. Das Auto fährt ohne weitere Anweisung los, die beiden werden in die Autosessel gedrückt.

Georg: Sohnemann, wusstest Du, dass man früher noch selbst Auto gefahren ist?

Sohn: Wie jetzt?

Georg: Man musste erst eine Prüfung bestehen und bei Erfolg hat man einen sogenannten Führerschein erhalten. Dann durfte man zwar fahren, musste aber selbst lenken und verschiedene Gänge einlegen.

Sohn: Voll kompliziert.

 

Szene 3: Ruby und Rose nehmen das Kind von Georg in der Kita entgegen.

Roby und Rose: Guten Tag, Prof. Dr. Dr. Troeger, wie geht es Ihnen heute?

Georg: Gut, danke, bis nachher! Sohn, wir fliegen jetzt mit dem Jet kurz nach Australien und ich zeige Dir mal Kängurus, bevor wir abends wieder zu Hause mit Mutti Abendbrot essen.

Ruby und Rose gehen weiter und unterhalten sich über den technischen Fortschritt, wie es wäre, mal richtig viel Geld zu haben, dass sie aber eigentlich happy sind, dass ihr Job (Erzieher) nicht von Robotern ersetzt wurden.

Ruby: Mensch Rose, das ist ja Wahnsinn, dass wir den Professor jetzt persönlich mal kennengelernt haben. Der hat doch das Krebsmittel erfunden.

Rose: Ja schon, aber hast Du gehört, wohin der mit seinem Sohn nur für einen Nachmittag fliegt? Kängurus in Australien beobachten mit einem Privatjet! Und wir fahren mit der Straßenbahn. Wenigstens kostenlos.

Ruby: Ja gut, Rose, aber dank solcher Experten wie Prof. Dr. Dr. Troeger haben wir jetzt ein bedingungsloses Grundeinkommen, kostenlosen Nahverkehr und Gesundheitsversorgung. Davon konnten frühere Generationen doch nur träumen!

Rose: Hast ja Recht, Ruby, wie immer (grinst sie an). Sollen doch die Reichen ihren Luxus genießen, den sie aus den Lizenzen erwirtschaften. Solange sie ihre Reichsteuer bezahlen und uns ein gutes Leben ermöglichen. Und Steuerflucht lohnt sich für die ja dank der neuen Regierung nun auch nicht mehr, seit diese dann einfach die Lizenzzahlungen stoppt und Konten einfriert. Irgendwie geht es ja jetzt jedem ein bisschen besser.

Ruby: Siehste, sei froh, was Du hast!