Digitalisierung frisst Arbeit 

 

So hat sich die deutsche Gesellschaft bis zum Jahr 2038 entwickelt...

Durch die von der Politik geförderte Produktion von intelligenten Robotern ist die Arbeitswelt weitestgehend automatisiert. Roboter werden in sämtlichen Berufen eingesetzt, um die Menschen zu entlasten. Allerdings ist die Mehrheit der Bevölkerung damit unzufrieden, da es kaum mehr Erwerbsmöglichkeiten für sie gibt und der Staat keine entsprechende Sozialpolitik organisiert. Außerdem sorgen sich die Menschen um Hackerangriffe und fürchten, die Kontrolle über die automatisierte Welt zu verlieren. Um die Roboter fortschrittlicher und menschenfreundlicher gestalten zu können, liegt der Fokus im Bildungssystem auf den Bereichen Naturwissenschaften und  Informatik. Fremdsprachen verschwinden aus dem Lehrplan, allein Englisch wird gefördert. 


Eine Szene, die sich im Jahr 2038 zugetragen hat...

Szene 1: Am Esstisch beim Frühstück.

James: Beatrice, kannst du mir bitte den Kaviar reichen?

Beatrice: Natürlich, James! (reicht James den Kaviar)

Charles: Und – wie war Euer Tag so?

Beatrice: Ich war mit meiner Yacht auf der Ostsee cruisen.

James: Ich hab mir mit meinem Helikopter ein bisschen die Alpen angeschaut. Ich brauchte Entspannung nach meiner harten Arbeit.

Charles: Ich hab einfach mal gar nichts gemacht.

Beatrice: Ach, habt Ihr schon gehört? Die Aktienkurse sind wieder gestiegen.

James: Ich verdiene jetzt einfach mal 25.000 Euro mehr in der Woche.

Charles: Ich weiß gar nicht mehr, wo meine Aktien stehen.

(kurzes Schweigen, alle sind am Essen)

Beatrice: Was läuft heute eigentlich im Fernsehen?

James: Heute wird doch die Rede von Michael Schirmer von der Deutschen Wohlstandspartei übertragen.

Charles: Das müssen wir uns unbedingt anschauen.

Beatrice: Und morgen?

James: Hast Du etwa vergessen, was morgen ist?

Beatrice: Was ist morgen?

Charles: Du hattest doch einen Diamanten in Auftrag geben lassen. Den wolltest Du Dir doch abholen.

Beatrice: Ach so, das hab ich doch schon meinem Kurier gesagt.


Szene 2: In einer WG, am Esstisch.

Siggi: Karl-Heinz, es gibt Essen! Komm ran!

Klaus-Dieter: Karl-Heinz ist nicht da! Hier ist Klaus-Dieter, Du Kevin!

Siggi: Ich dachte, Kevin ist duschen?

Klaus-Dieter: Nee, die Dusche ist doch im Arsch.

Siggi: Was macht der denn da hinten so lange?

Klaus-Dieter: Das willst Du nicht wissen…

Siggi: Was auch immer. Auf jeden Fall gibt’s jetzt Essen. Möhreneintopf!

Klaus-Dieter: Mit oder ohne Fleisch?

Siggi: Mit, aber sehr mager!

Klaus-Dieter: Hmmm, endlich mal wieder Fleisch!

Siggi: Und, was war bei Dir heute so los?

Klaus-Dieter: Nicht viel. In den Säureminen hat Günter nach’m Frühstück seinen linken Zeigefinger verloren.

Siggi: Oh! Na ja, er hat ja noch einen zweiten!

Klaus-Dieter: Kommste heut mit in die Kneipe – saufen?

Siggi: Immer doch!

Klaus-Dieter: Und bei Dir so?

Siggi: Ich war heut nageln.

Klaus-Dieter: Du und nageln?

Siggi: Na mit dem Werkzeug!

Klaus-Dieter: Ah – alles klar! Na dann leg ich mich mal hin. Wir sehen uns dann in der Kneipe.

Siggi: Bis nachher. Heute sauf ich Dich unter’n Tisch!

Beide gehen in ihr Zimmer.