Ein Staat, zwei Schichten, zwei Welten 


So hat sich die deutsche Gesellschaft bis zum Jahr 2038 entwickelt...

Der Wohlstand ist sehr ungleich verteilt, die Bevölkerung teilt sich in zwei Lager. Auf der einen Seite leben die Gutverdiener und Vermögenden in Saus und Braus, auf der anderen Seite schuften Geringverdiener den ganzen Tag, um mit dem Nötigsten über die Runden zu kommen. Trotz dieser extremen Kluft ist auch der finanziell deutlich schlechter gestellte Bevölkerungsteil zufrieden mit dem, wie es ist. Auch, weil sie davon überzeugt sind, dass die Reichen sich ihren Luxus „verdient“ haben. Zumal sie von ihnen durch Sozialleistungen „unterstützt“ werden und sich dadurch ein wenig Fleisch und viel Alkohol leisten können.



Eine Szene, die sich im Jahr 2038 zugetragen hat...

Szene 1: Am Esstisch beim Frühstück.

James: Beatrice, kannst du mir bitte den Kaviar reichen?

Beatrice: Natürlich, James! (reicht James den Kaviar)

Charles: Und – wie war Euer Tag so?

Beatrice: Ich war mit meiner Yacht auf der Ostsee cruisen.

James: Ich hab mir mit meinem Helikopter ein bisschen die Alpen angeschaut. Ich brauchte Entspannung nach meiner harten Arbeit.

Charles: Ich hab einfach mal gar nichts gemacht.

Beatrice: Ach, habt Ihr schon gehört? Die Aktienkurse sind wieder gestiegen.

James: Ich verdiene jetzt einfach mal 25.000 Euro mehr in der Woche.

Charles: Ich weiß gar nicht mehr, wo meine Aktien stehen.

(kurzes Schweigen, alle sind am Essen)

Beatrice: Was läuft heute eigentlich im Fernsehen?

James: Heute wird doch die Rede von Michael Schirmer von der Deutschen Wohlstandspartei übertragen.

Charles: Das müssen wir uns unbedingt anschauen.

Beatrice: Und morgen?

James: Hast Du etwa vergessen, was morgen ist?

Beatrice: Was ist morgen?

Charles: Du hattest doch einen Diamanten in Auftrag geben lassen. Den wolltest Du Dir doch abholen.

Beatrice: Ach so, das hab ich doch schon meinem Kurier gesagt.


Szene 2: In einer WG, am Esstisch.

Siggi: Karl-Heinz, es gibt Essen! Komm ran!

Klaus-Dieter: Karl-Heinz ist nicht da! Hier ist Klaus-Dieter, Du Kevin!

Siggi: Ich dachte, Kevin ist duschen?

Klaus-Dieter: Nee, die Dusche ist doch im Arsch.

Siggi: Was macht der denn da hinten so lange?

Klaus-Dieter: Das willst Du nicht wissen…

Siggi: Was auch immer. Auf jeden Fall gibt’s jetzt Essen. Möhreneintopf!

Klaus-Dieter: Mit oder ohne Fleisch?

Siggi: Mit, aber sehr mager!

Klaus-Dieter: Hmmm, endlich mal wieder Fleisch!

Siggi: Und, was war bei Dir heute so los?

Klaus-Dieter: Nicht viel. In den Säureminen hat Günter nach’m Frühstück seinen linken Zeigefinger verloren.

Siggi: Oh! Na ja, er hat ja noch einen zweiten!

Klaus-Dieter: Kommste heut mit in die Kneipe – saufen?

Siggi: Immer doch!

Klaus-Dieter: Und bei Dir so?

Siggi: Ich war heut nageln.

Klaus-Dieter: Du und nageln?

Siggi: Na mit dem Werkzeug!

Klaus-Dieter: Ah – alles klar! Na dann leg ich mich mal hin. Wir sehen uns dann in der Kneipe.

Siggi: Bis nachher. Heute sauf ich Dich unter’n Tisch!

Beide gehen in ihr Zimmer.